›... tu es in deiner Sprache.‹
Seit dem bravourösen Durchbruch Mitte der siebziger Jahre als Edgar Wibeau in Ulrich Plenzdorfs verfilmtem Theaterstück ›Die neuen Leiden des jungen W.‹ ist aus dem sexy blonden Lockenjüngling mit den großen braunen Augen ein reifer, gewiefter Entertainer geworden. Die Frage, ob er im Laufe seiner Reise vom Jungen mit der Klampfe zum Chansonnier im Cerruti-Anzug Kompromisse eingegangen sei, umgeht er charmant mit der Weisheit, dass jeder sich seine Figur, die er brauche, aufbaue.
Mit der Zeit habe er dann gemerkt, dass er »sehr viel als Chansonnier Gefühlsarbeit machen« kann. »Irgendwann glaubte ich mir den Lockenmann mit der Gitarre nicht mehr, und man kann so schlecht damit älter werden, wenn man dieser Sunnyboy ist.« Als Schauspieler beherrscht er die Kunst, auf der Bühne nicht nur seine Musik vorzutragen, sondern Geschichten zu erzählen, eine Atmosphäre herzuzaubern.
Als 16-Jähriger zog Hoffmann mit selbst gebastelten Liedern durch die Berliner Clubs und probte nach Abschluss seiner Lehre als Außenhandelskaufmann mit einem Trip nach Afghanistan den Ausstieg aus der miefigen Gesellschaft, machte sich auf die Suche nach dem ›Freiland‹. 1970 wurde er am Berliner Max-Reinhardt-Seminar aufgenommen und schloss die Schauspielprüfung vier Jahre später ab. Parallel zur Schauspielerei veröffentlichte er seine Schallplatten, die ebenso mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht wurden. Das Thema, das sich – abgesehen von den Interpretationen der Chansons Jacques Brels – durch seine Songs zieht, ist immer wieder Berlin, die Großstadt mit ihren Alltagsgeschichten, Empfindungen und Empfindlichkeiten.
Als die Liedermacher nicht mehr angesagt waren und auch die Neue Deutsche Welle zum alten Eisen gehörte, sang Klaus Hoffmann weiterhin in Deutsch. In dieser Hinsicht wurde er bereits in den 70er Jahren von Bob Dylan inspiriert. »Du kannst eine Unstimme haben und schlecht Gitarre spielen, aber Hauptsache, du hast was zu sagen, dann tu es in deiner Sprache. So hab ich dann begonnen. Das war bis heute mein Lebensretter.«
Stilistisch hat sich seine Musik im Laufe der Jahre vom textregierten Lied zu reich arrangierten Stücken mit Einflüssen der unterschiedlichsten Klänge von Sirtaki bis zu Bossa-Nova-Rhythmen entwickelt. Klaus Hoffmann wird immer wieder als Romantiker bezeichnet, doch wer sich im Showgeschäft so lange behauptet, muss mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.
Der Komponist Bruckner, die von ihm bewunderten Autoren Goethe, Schiller, auch Büchner hätten alle irgendwie den ›Wunsch nach Friede, Freude, Eierkuchen‹ gehabt, so wie er, also ein bisschen sei schon was dran an dem Romantiker. Der Autor Hoffmann schreibt an seinem zweiten Roman, der Schauspieler wartet auf die richtige Rolle. »... so eine ›gebrochene‹ Rolle, eine provokative mit richtig Fleisch, keine konventionelle ...«
Constanze Stuhr (TIP Berlin)